Schlüssel in Türschloss

Wenn sich Familiengeheimnisse aufklären und Ungereimtheiten keine Verwirrung mehr stiften, dann lösen sich Ängste und Empathielosigkeit, dann schwindet das Gefühl, keine Heimat zu haben, oder die Scheu vor neuen Bindungen.

Sabine Bode
(Der Spiegel Nr. 51/15.12.2018)

Den Rätseln des Lebens auf der Spur

Jeder Mensch ist einzigartig und wertvoll. Nicht aufgrund seiner Leistungen, sondern allein deshalb, weil er Mensch ist. Seine Würde ist originär in ihm angelegt. Nicht alle Menschen haben das in ihrem Leben jedoch bestätigt bekommen mit der Folge, dass sie sich eben gerade nicht wertvoll fühlen. Was dann? Dann gilt es u.a., sich besser kennenzulernen. So sind in jedem Menschen alle Fähigkeiten angelegt, um die Herausforderungen des Lebens bewältigen zu können. Sind diese noch nicht ausgebildet oder stehen dem Menschen nicht ausreichend zur Verfügung, hat das nicht zuletzt etwas mit seinen Lebenserfahrungen zu tun - man spricht auch von biopsychosozialen Faktoren - und seinen individuellen Bewältigungsstrategien. Entsprechend geht es um die Einsicht von Lebenszusammenhängen - insbesondere den unbewussten - und der Stärkung der in jedem Menschen angelegten Fähigkeiten, um nicht zuletzt dadurch einen Veränderungsprozess anzustoßen.

Auf welchen Fachdisziplinen und Sichtweisen basiert meine therapeutische Tätigkeit?

Die Systemtheorie bzw. die systemische Therapie geht davon aus, dass sich ein Mensch nicht in einem menschenleeren Raum bewegt, sondern in sozialen Systemen, bspw. in der Familie, am Arbeitsplatz oder in einer Partnerschaft. Das System stellt eine Ressource dar für die Entwicklung von Stärken und Kompetenzen. Es kann aber auch dazu führen, dass es einem Menschen schwer gemacht wird, sich zu dem Menschen zu entwickeln, der er ist – mit der Folge, dass es ihm nicht gut geht bis dahin, dass er sich psychisch und/oder somatisch krank zeigt. Entsprechend bezieht die systemische Therapie die Umwelt in ihre Überlegungen ein. Sie interessiert sich also nicht nur für das, was in einem Menschen vorgeht, sondern auch für das, was zwischen den Menschen geschieht - und darüber hinaus. Daneben fließen immer wieder Elemente der Logotherapie ein entsprechend der Aussage von Viktor Frankl: „Wer ein Warum zu leben hat, erträgt fast jedes Wie.“

Die Neuropsychotherapie basiert auf Erkenntnissen der Neurowissenschaften wie etwa der Neurobiologie und -physiologie, der Hirnforschung sowie der Psychologie. Ohne Kenntnisse über das Gehirn und seine Funktionsweisen sind ein Verstehen von Abläufen im Inneren des Menschen sowie das gezielte Angehen von Veränderungen kaum möglich. Wie bei den tiefenpsychologisch fundierten Theorien geht es z.B. darum, wie das Denken, Fühlen und Handeln mit Erfahrungen der Kindheit zusammenhängen, und um das Erlernen neuer Muster mit dem Ziel, das eigene Leben zu leben. Dabei geht es niemals um Egoismus, sondern um Selbstannahme, die wiederum Voraussetzung dafür ist, andere lieben zu können.

Die Psychoneuroimmunologie als Teil der Psychosomatik hinterfragt den Einfluss von Stress auf das Immunsystem und die daraus resultierenden Folgen für die Gesundheit des Menschen. Sie beschäftigt sich mit den Wechselwirkungen von Seele, Psyche, Gehirn und Immunsystem - zu dem, wie wir heute wissen, auch der Darm gehört - und ist von daher auch für Menschen interessant, bei denen u.a. eine Autoimmunerkrankung oder Krebs diagnostiziert wurde.

Mit der Epigenetik (Genregulationsforschung) als Teilgebiet der Neurobiologie hat sich der Blick auf das, was Gesundheit bzw. Krankheit ist, grundlegend verändert, und auch die Aussage "genetisch bedingt" bzw. "genetische Disposition" ist nun zu hinterfragen. Meint sie wirklich die Gene und damit etwas Unveränderbares oder meint sie die Gensteuerung, auf die der Mensch Einfluss nehmen kann? Die gute Nachricht: Die Trennung zwischen Biologie/Genen und Soziologie/Umwelt, isoliert betrachtet, ist heute nicht mehr haltbar. Wir sind weder unseren Genen noch der Umwelt noch unseren Erfahrungen hilflos ausgeliefert, wir können aktiv etwas tun.

Die Traumatherapie/-begleitung beruht auf Erkenntnissen der Bindungstheorie, der Neurowissenschaften sowie der Traumaforschung. Traumata sind psychische Verletzungen aufgrund von Ereignissen, die die individuellen Bewältigungsmöglichkeiten eines Menschen überfordern. Sie stellen enorm große Stressoren dar mit nachfolgenden Auswirkungen auf die Gesundheit. Traumatisch können z.B. Missbrauch, emotionale Vernachlässigung oder unverarbeitete Verlusterfahrungen in der Kindheit wirken, die im Erwachsenenalter oft zu der Frage führen: Wer bin ich?

Die Bindungspsychotherapie bzw. die bindungsbasierte Beratung und Therapie betrachtet die Reaktionsweisen eines Menschen auf der Basis der wissenschaftlichen Erkenntnisse der Bindungstheorie. Diese sieht die emotionale Bindung eines Kindes an eine Bezugsperson – meist an die Eltern – als bedeutenden Faktor in seiner weiteren Entwicklung an.

Das Ziel der Neurophilosophie ist es, neurobiologische, psychologische, systemtheoretische und philosophische Aspekte systematisch und kritisch zu beleuchten. Während einige Wissenschaftler davon ausgehen, dass der Geist des Menschen nichts anderes sei als das Gehirn bzw. dass das Gehirn die Seele „machen“ würde und Seele und Psyche bedeutungsgleich seien, unterscheide ich zwischen Geist, Seele, Psyche und Gehirn, die wiederum untrennbar mit dem Körper des Menschen verbunden sind. Das ist auch der Ansatz der integrativen Medizin und der Psychoneuroimmunologie.

Auf Wunsch beziehe ich auch den christlichen Glauben ein. Zu wissen, dass Gott den Menschen einzigartig angelegt und sich zuvor viele (liebevolle) Gedanken um ihn gemacht hat, dass er ihm das Leben, Würde und eine Seele gegeben hat und in Beziehung zu ihm leben möchte, führt zu einer neuen Perspektive auf den Menschen, die Geist-Gehirn- bzw. Seele-Gehirn-Debatte, Symptome wie innere Leere, Sehnsucht oder Existenzangst, auf das Thema Leid, auf die Sinnfrage und auf vieles andere mehr. Seine Liebe ist die eigentliche Grundlage meiner Tätigkeit als Therapeutin.