Schlüssel in Türschloss

Wenn sich Familiengeheimnisse aufklären und Ungereimtheiten keine Verwirrung mehr stiften, dann lösen sich Ängste und Empathielosigkeit, dann schwindet das Gefühl, keine Heimat zu haben, oder die Scheu vor neuen Bindungen.

Sabine Bode
(Der Spiegel Nr. 51/15.12.2018)

Den Rätseln des Lebens auf der Spur

Meine Arbeitsweise basiert auf einem identitätsorientierten Ansatz: Jeder Mensch ist ein Individuum und damit einzigartig. Seine Würde ist unantastbar.
Nun gibt es Lebenskonstellationen, in denen ein Mensch sehr früh seine Einzigartigkeit entdecken und die in ihm angelegten Fähigkeiten einüben kann. Manchmal bedarf es aber auch Umwege, die sich z.B. in Verhaltensweisen äußern können, die von der Person selbst und/oder von seiner Umwelt als problematisch empfunden werden. Oft versteht sich eine Person selbst nicht mehr verbunden mit Fragen wie: Wer bin ich? Warum verhalte ich mich, wie ich mich verhalte? Warum ist es so schwer, sich zu ändern? Kann ich mich überhaupt verändern, und wenn ja, wie?
Diesen Fragen gehe ich gern zusammen mit Ihnen nach, denn auf dem Verstehen basiert letztendlich auch die Bereitschaft zur Veränderung. Eine wichtige Voraussetzung dafür ist allerdings eine innere Stabilität. Ist diese noch nicht gegeben, kann die Begleitung auch hier ansetzen.

Von welchen wissenschaftlichen Disziplinen ist meine Arbeitsweise geprägt?

Systemische Therapie: Sie wurde vom Wissenschaftlichen Beirat Psychotherapie wissenschaftlich anerkannt und beruht auf dem Gedanken, dass ein Mensch sich nicht in einem menschenleeren Raum bewegt, sondern in sozialen Systemen, bspw. in der Familie, am Arbeitsplatz oder in einer Partnerschaft. Das System stellt eine Ressource dar für die Entwicklung von Stärken und Kompetenzen. Es kann aber auch dazu führen, dass es einem Menschen schwer gemacht wird, sich zu dem Menschen zu entwickeln, der er ist – mit der Folge, dass es ihm psychisch nicht gut geht bis dahin, dass er sich psychisch krank zeigt. Entsprechend bezieht die Systemische Therapie die Umwelt in ihre Überlegungen ein. Sie interessiert sich also nicht nur für das, was in einem Menschen vorgeht, sondern auch für das, was zwischen den Menschen geschieht. Dazu passt auch die Aussage von Prof. Dr. med. Dr. phil. Dr. rer. pol. Felix Tretter, dass die menschliche Psyche nicht auf wenige Hirnprozesse zurückzuführen ist und es bei psychischen Störungen nicht um reine Hirnerkrankungen, etwa um Defekte von Botenstoffen und ihren Andockstellen im Gehirn, geht, sondern dass es zielführender wäre, systemisch zu denken (SWR2 2015). Das Setting umfasst die Einzel-, Paar- und/oder Familientherapie. Neben dem Gespräch und der Genogrammarbeit, der Auseinandersetzung mit der Familiengeschichte, kommen ggf. auch verschiedene Aufstellungen zum Einsatz, z.B. die systemische Familienaufstellung auf dem Familien-/Systembrett oder die Aufstellung der Inneren Familie (IFS) und des Anliegensatzes. Daneben fließen immer wieder Elemente der Logotherapie ein entsprechend der Aussage von Viktor Frankl: „Wer ein Warum zu leben hat, erträgt fast jedes Wie.“

Bindungspsychotherapie: Die bindungsbasierte Beratung und Therapie betrachtet die Reaktionsweisen eines Menschen auf der Basis der wissenschaftlichen Erkenntnisse der Bindungstheorie. Diese sieht die emotionale Bindung eines Kindes an eine Bezugsperson – meist an die Eltern – als bedeutenden Faktor in seiner weiteren Entwicklung an.

Traumapädagogik und -therapie: Die Traumabegleitung beruht auf Erkenntnissen der Bindungstheorie, der Neurowissenschaften sowie der Traumapädagogik und -therapie. Traumata sind psychische Verletzungen aufgrund von Ereignissen, die die individuellen Bewältigungsmöglichkeiten eines Menschen überfordert haben. Dabei kann es sich z.B. um Missbrauch handeln, um emotionale Vernachlässigung oder um unverarbeitete Verlusterfahrungen in der Kindheit, die im Erwachsenenalter oft zu der Frage führen: Wer bin ich?

Identitätsorienterte Psychotraumatherapie (IoPT): Bei der identitätsorientierten Psychotraumatherapie steht die Identitätsentwicklung eines Menschen im Mittelpunkt. Identität definiert Prof. Franz Ruppert als die Summe aller Lebenserfahrungen. Diese können traumatischen Charakter haben und damit die Identitätsentwicklung stören, sodass der Mensch nicht mehr sein eigenes Leben lebt. Wie bei den tiefenpsychologisch fundierten Theorien geht es z.B. darum, wie das Denken, Fühlen und Handeln mit Erfahrungen der Kindheit zusammenhängen, und um das Erlernen neuer Muster mit dem Ziel, das eigene Leben zu leben. Dabei geht es niemals um Egoismus, sondern um Selbstannahme und Selbstliebe, die wiederum Voraussetzung dafür sind, andere lieben zu können.

Hirnforschung: Wenn von Hirnforschung die Rede ist, geht es um mehrere wissenschaftliche Fachgebiete wie z.B. Neurobiologie und -physiologie, Neurowissenschaften sowie Psychologie. Ohne Kenntnisse über das Gehirn und seine Funktionsweise ist ein Verstehen von Abläufen im Inneren des Menschen kaum möglich.

Epigenetik (Genregulationsforschung) als Teilgebiet der Neurobiologie: Für Genetiker und auch die meisten Epigenetiker war es bis vor Kurzem undenkbar, dass die Umwelt auf Ei- oder Samenzellen einwirkt bzw. auf die Steuerung von Genen. Aufgrund einer Reihe von Experimenten mit überraschenden Ergebnissen akzeptieren die meisten von ihnen jedoch inzwischen, dass wichtige epigenetische Informationen auf die nächste Generation übertragen werden können und dass sie Einfluss haben auf die Gesundheit eines Menschen. Damit hat sich der Blick auf das, was Gesundheit bzw. Krankheit ist, grundlegend verändert, und auch die Aussage "genetisch bedingt" bzw. "genetische Disposition" ist nun zu hinterfragen. Meint sie wirklich die Gene und damit etwas Unveränderbares oder meint sie die Gensteuerung, auf die der Mensch Einfluss nehmen kann? Dr. Peter Spork kommt zu dem Ergebnis, dass die Trennung zwischen Biologie/Genen und Soziologie/Umwelt, isoliert betrachtet, heute nicht mehr haltbar ist. "Entscheidend ist die mittlerweise gewaltige, stabile, neue Brücke zwischen beiden Disziplinen. Errichtet hat sie die Genregulationsforschung. Psychosomatiker dürfen begeistert sein, denn auf einmal rückt ihre Wissenschaft ins Zentrum des Interesses. Krankheit, Gesundheit und Persönlichkeit können ganz in ihrem Sinn nur noch systemisch betrachtet werden - als Produkt von Biologie und Soziologie, und das auch nur unter Berücksichtigung teils lange zurückliegender, prägender Einflüsse.“ Die gute Nachricht: Wir sind weder unseren Genen noch der Umwelt noch unseren Erfahrungen hilflos ausgeliefert, wir können aktiv etwas tun.

Neurophilosophie: Ihr Ziel ist es, neurobiologische, psychologische, systemtheoretische und philosophische Aspekte systematisch und kritisch zu beleuchten. Während einige Wissenschaftler davon ausgehen, dass der Geist des Menschen nichts anderes sei als das Gehirn bzw. dass das Gehirn die Seele „machen“ würde und Seele und Psyche bedeutungsgleich seien, unterscheide ich zwischen Geist, Seele, Psyche und Gehirn, wenngleich sie zusammen mit dem Körper des Menschen untrennbar miteinander verbunden sind. Das ist auch der Ansatz der integrativen Medizin und der Psychoneuroimmunologie. Letztere beschäftigt sich mit den Wechselwirkungen von Seele, Psyche, Nerven- und Immunsystem.

Christlicher Glaube: Auf Wunsch beziehe ich auch den christlichen Glauben ein. Zu wissen, dass Gott den Menschen einzigartig angelegt und sich zuvor viele (liebevolle) Gedanken um ihn gemacht hat, dass er ihm das Leben, Würde und eine Seele gegeben hat und in Beziehung zu ihm leben möchte, führt zu einer neuen Perspektive auf den Menschen, die Geist-Gehirn- bzw. Seele-Gehirn-Debatte, Symptome wie innere Leere, Sehnsucht oder Existenzangst, auf das Thema Leid, auf die Sinnfrage und auf vieles andere mehr. Seine Liebe ist die eigentliche Grundlage meiner Tätigkeit als Therapeutin.